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Boyd: „Ich genieße bei Hertha eine tolle Ausbildung“

Veröffentlicht: 06.10.2009 - Transfermarkt.de

Terrence Boyd ist ein ambitionierter Stürmer der A-Jugend-Bundesligamannschaft der Hertha aus Berlin. Im Gespräch mit Sven Bauer (Lapdog) wagt er einen Ausblick in die Zukunft und zieht eine erste Bilanz zu seiner Zeit in Berlin.

Transfermarkt.de: Herr Boyd, Sie sind Deutscher mit amerikanischen Wurzeln. Bitte klären Sie uns diesbezüglich genauer auf.

Terrence Boyd: Also, mein Vater war US-Soldat (Berufsboxer) und hat meine Mutter in Bremen kennengelernt, als er dort stationiert war. Nach der Trennung meiner Eltern heiratete meine Mutter meinen jetzigen Stiefvater, der für mich ein Vaterersatz und auch Freund in vielen Lebenssituationen geworden ist. Ihm verdanke ich heute sehr viele Dinge. Zu meinem leiblichen Vater, der wieder in den Staaten lebt, besteht nur noch ab und zu Kontakt.

Transfermarkt.de: Sie haben im Januar 2009 den FC Bremerhaven verlassen und sind zu Hertha BSC gewechselt. Wie kam es dazu?

Terrence Boyd: Im vergangen Herbst spielte ich mit der Landesauswahl in Duisburg. Dort konnte ich durch meine Leistungen und Tore auf mich aufmerksam machen. Daraufhin bekam ich direkt Anfragen von mehreren Bundesligisten. Die neue Situation war besonders aufregend und auch gleichzeitig spannend. Auf diesen ersten Augenblick hab ich lange hingearbeitet. Da mir auch der FC Bremerhaven keine großen Steine mehr in den Weg legte, wollte ich dann unbedingt und direkt zum Winter wechseln, um mich zur neuen Saison gut einzugewöhnen. Das war auch genau die richtige Entscheidung.

Transfermarkt.de: Wer hat sich besonders um Sie bemüht und welche Rolle hat die Hertha für Sie vorgesehen?

Terrence Boyd: Alle Interessenten haben sich natürlich um mich bemüht, aber Hertha ragte besonders heraus. Da mir der humane Umgang von Seiten des gesamten Umfeldes (Internat, Trainerstab, Mitspieler) besonders zusagte und mir die Atmosphäre gleich klarmachte, dass ich mich hier wohlfühlen würde, habe ich diese Entscheidung getroffen - die ich auch in keinster Weise bereue.

Transfermarkt.de: Sie sind 18 Jahre jung. Wie verlief der Wechsel auch in Bezug auf die Schule?

Terrence Boyd: Hertha kooperiert mit einer Eliteschule des Fußballs, somit wurden meine Stundenpläne mit den Trainingszeiten abgeglichen und Freistellungen bei Auswärtsspielen innerhalb der Woche beziehungsweise Turnieren besonders leicht ermöglicht. Das erleichtert meinen alltäglichen Tagesablauf sehr, um Fußball und Abitur unter einen Hut zu bringen.

Transfermarkt.de: Wo und wie leben Sie derzeit?

Terrence Boyd: Derzeit lebe ich im Internat von Hertha. Dort hat jeder ein Zimmer und man teilt sich ein Bad mit dem Zimmernachbarn. Es lässt sich dort ganz gut aushalten, zumal die Internatseltern alles im Griff haben und Anlaufstelle für jegliche Probleme sind. Neben zahlreichen anderen Vorteilen kann ich dadurch relativ ausgeruht zum Training erscheinen.

Transfermarkt.de: Inwiefern hat Ihnen die Hertha in Bezug auf die bürokratischen Abwicklungen geholfen?

Terrence Boyd: Der Wohnortwechsel von Bremen nach Berlin verlief reibungslos, da die Internatseltern mit mir die ohnehin wenigen Behördengänge absolviert haben und der Koordinator für Amateur- und Jugendarbeit, Frank Vogel, dass meiste praktisch selbst erledigt hat.

Transfermarkt.de: Wie sind Sie generell bei der Hertha aufgenommen worden und wer war dort Ihre Bezugsperson?

Terrence Boyd: Am Anfang haben die Internatseltern einem sehr geholfen, sich gut einzugewöhnen. Sportlich habe ich auch natürlich auch vom Trainerstab viel Unterstützung bekommen. Nebenbei haben viele andere Personen aus dem Verein mir Ihre Hilfe angeboten und so dauerte es nicht lange, bis ich mich vollends wohlgefühlt habe. Mittlerweile sehen wir Spieler im Internat uns wie Brüder, da wir alle gemeinsam tagtäglich denselben „Stress" zu bewältigen haben und wir auch oft zusammen durch dick und dünn gehen. Tägliche Aussetzer sind da an der Tagesordnung. Spaß muss sein (lacht).

Transfermarkt.de: Sie haben sich sehr schnell akklimatisieren können und feierten Ihr Debüt sowohl in der A-Jugend-Bundesliga als auch in der Regionalliga. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre ersten Spiele für die Hertha?

Terrence Boyd: Ich wurde sowohl in der U19, als auch bei den Amateuren sofort eingesetzt. Fortan war ich für die gesamte Rückrunde im Kader der U23 und bekam regelmäßig meine Kurzeinsätze sowie dank Karsten Heine die Chance, die letzten drei Saisonspiele von Beginn an zu spielen. In den ersten Partien, in denen ich mitwirken durfte, war ich natürlich sehr aufgeregt. Ich konnte aber sehr viel aus diesen Spielen mitnehmen, egal ob bei der U23 oder U19.

Transfermarkt.de: Gerade Sie können es am besten beurteilen. Wo liegen die größten Unterschiede zwischen den beiden Ligen?

Terrence Boyd: Es ist schon bemerkbar, dass in der A-Jugend-Bundesliga mehr technische Reize gesetzt werden und das Spiel im Wesentlichen verspielter ist als in der Regionalliga. Da beruht man sich auf seine Grundtechniken und das ganze Spiel findet im Kopf statt. Im Männerbereich bekommt man schon die Erfahrung, Cleverness und Reife zu spüren.

Transfermarkt.de: Ihr Trainer bei der U19 ist der ehemalige Profi René Tretschok. Wie wirkt er als Mensch, aber auch als Trainer auf Sie?

Terrence Boyd: Der René Tretschok ist ein klasse Trainer und als Mensch sympathisch. Er hat ein hohes Fachwissen, behält stets die Ruhe und arbeitet auch im Training mit uns sehr motiviert. So sehr, dass man den Eindruck hat, er würde am liebsten selbst noch mitspielen wollen (lacht). Im Großen und Ganzen will er nur das Beste für uns Jungs und ist im Hinblick auf die Vorbereitung für den Männerbereich ein großer Gewinn.

Transfermarkt.de: Sie pendeln zwischen den beiden Teams. Wie läuft das genau ab? Wann wissen, wo Sie spielen und wie werden Sie darauf vorbereitet?

Terrence Boyd: In der vergangen Saison war es so, dass ich stets bei den Amateuren trainierte und vor dem Abschlusstraining Bescheid bekam, in welchem Kader ich am Wochenende bin. Für diese Saison ist mit Karsten Heine erstmal abgesprochen worden, dass ich mich völlig auf die U19 konzentriere, da ich einer der wenigen Amateurspieler bin, der dort noch spielen kann.

Transfermarkt.de: Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?

Terrence Boyd: In der Regel stehe ich morgens um 6.30 Uhr auf, frühstücke, gehe zur Schule, trainiere danach und habe abends nach dem Training Freizeit.

Transfermarkt.de: Die Hertha-Profis kommen momentan nicht aus den Negativschlagzeilen heraus: Tabellenletzter, Trainerteam beurlaubt, neuer Übungsleiter. Was bekommen Sie davon mit und wie macht sich das im Verein bemerkbar?

Terrence Boyd: Direkt bekommen wir Spieler nicht wirklich etwas von dem ganzen Trubel mit, der im Moment auf dem Olympiagelände herrscht. Die momentane Situation ist sicherlich nicht einfach für den Verein. Allerdings sind alle im Hertha-Umfeld weiterhin zuversichtlich und es wird auch nur eine Frage der Zeit sein, bis Hertha aus dem Tabellenkeller wieder raus ist.

Transfermarkt.de: Wie ist generell der Kontakt zur Profimannschaft?

Terrence Boyd: Derzeit trainieren nur die Jungprofis oben regelmäßig mit und ab und zu dürfen manche Spieler der U23 und/oder U19 dort auch mittrainieren, abhängig von der Leistung und der personellen Situation.

Transfermarkt.de: Welche Ziele haben Sie überhaupt im Profifußball?

Terrence Boyd: Natürlich ist es mein Ziel, Profi zu werden. Momentan genieße ich bei Hertha eine tolle Ausbildung und was in zwei Jahren passiert, kann man im Fußballgeschäft natürlich nicht voraussagen. Ich hoffe, ich schaffe es mich durchzusetzen, mich gut weiter zu entwickeln und was dann kommt, steht in den Sternen.

Transfermarkt.de: Wenn Sie die Wahl hätten: Für welches Nationalteam würden Sie auflaufen und warum?

Terrence Boyd: Auf jeden Fall würde ich gerne für Deutschland spielen, aber von den USA bin ich auch nicht abgeneigt. Ich denke, das wird schon alles kommen, wenn ich hier bei Hertha meine Leistung bringe und mich gut entwickel.

Transfermarkt.de: Gab es diesbezüglich schon Kontakt zu einem Verband?

Terrence Boyd: Es gab vor kurzem einen vagen Kontakt zum US-Verband und sonst nichts.

Transfermarkt.de: Sie haben einen Berater. Warum und was erledigt er für Sie?

Terrence Boyd: Mein Berater Güven Tükenmez von Trustsoccer hilft mir bei vielen Dingen, gerade in der Analyse der Angebote im Winter kurz vor meiner Entscheidung zu Hertha zu wechseln. Auch die Eckpunkte meines Vertrages überließ ich komplett ihm. Sonst telefonieren wir oft und er kommt regelmäßig zu Spielen vorbei. Es ist wichtig, zu seinem Berater nicht nur ein geschäftliches, sondern auch ein persönliches Verhältnis aufzubauen. Das ist uns sehr gut gelungen.

Transfermarkt.de: Was machen Sie, wenn Sie nicht gerade Fußball spielen?

Terrence Boyd: Wenn ich nicht gerade Fußball spiele, lerne ich natürlich. Ich surfe oft im Internet, treffe mich mit Freunden und liefere mir historische Billardschlachten mit Freunden aus dem Internat.

Transfermarkt.de: Bitte erzählen Sie eine Anekdote aus Ihrem Fußballerleben.

Terrence Boyd: Mein bisher größtes Erlebnis war neben dem Siegtreffer in der vergangenen Saison gegen Oberneuland beim 3:2 , das meisterschaftsentscheidende Spiel gegen Hallescher FC, die zu der Zeit Aufstiegskandidat waren. Wir erreichten nach einem 0:2-Rückstand ein 2:2 und ich konnte mit einem Tor und einer Vorlage dazu beitragen, dass der Favorit doch nicht den Aufstieg in die dritte Liga verwirklichte.

Transfermarkt.de: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für Ihre weitere Zukunft.

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